Sonntag, 19. Mai 2013

Kunstwerk des Monats - Altniederländische Malerei - Der feiste Mann

Heute zeige ich euch eines meiner Lieblingsbilder aus der Altniederländischen Malerei. Viele Fakten sind hier nicht nötig, aber es gibt ein paar interessante Details da das Werk in zwei Fassungen vorhanden ist.

Unten zu lesen ist dann eine "klassische" kunsthistorische Analyse aus einer alten Hausarbeit von mir. 

Wer daran kein großes Interesse hat kann ja in der Art von Fehlersuchbildern mal die Unterschiede raussuchen. ;)

Ich wünsche (trotzdem) viel Spaß! :) 

 

Renaissance/ Altniederländische Malerei

 

Bildnis eines feisten Mannes - Berlin/ Madrid - nach 1430

 

 (Madriter Version)

(Berliner Version)

 

Für diese beiden Gemälde wir zumeist der Meister von Flémalle bzw. Rogier van der Weyden angenommen.

Die ausgeprägte Individualität dieses Bildnisses macht es schwer, es mit anderen Porträts zu vergleichen. Zudem ist es der Nachwelt in gleich zwei Fassungen erhalten geblieben (Robert Campin, Der feiste Mann, vor 1430. Öl auf Eichenholz, 35,4 x 23,7 cm. Madrid, Museo Thyssen – Bornemisza. und Robert Campin, Der feiste Mann, vor 1430, Öl auf Eichenholz, 31,5 x 20,3 cm. Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie). Welches der beiden Werke die Urfassung ist, oder ob beide auf ein verloren gegangenes Original zurückgehen, scheint noch nicht geklärt1. Ebenso ist die genaue Datierung bisher nicht möglich. Sollte jedoch das, vom Museum angenommene, Jahr 1425 stimmen2, wäre es das älteste unabhängige Bildnis der altniederländischen Malerei3.
Es gibt drei Ansätze zur Identifizierung des Dargestellten. So sind gewisse Ähnlichkeiten zu dem Nikodemusporträt in der Kreuzabnahme4, einer Porträtzeichnung von Robert de Masmines5 sowie eine Büste von Niccolò Strozzi6 Anlass zu Vermutungen über die Identität des Mannes. Die Büste kann jedoch schon aus rein zeitlichen Gründen ausgeschlossen werden7. Auch an der Identifikation als Robert de Masmines gibt es Kritikpunkte: Er wirkt aggressiver, weniger beleibt, Nase, Mund und Augen stimmen kaum bis gar nicht überein8. Aufgrund dieser Unstimmigkeiten muss die Identität bis auf Weiteres ungeklärt bleiben.
Zu weiteren Untersuchungen wurden Durchzeichnungen angefertigt und aufeinandergelegt.9 Sie sind sich so ähnlich, dass der Maler des zweiten Bildnisses sowohl eine gute Pause als auch das Original für seine Arbeit zu Verfügung gehabt haben musste. Die Infrarotreflektografie zeigt bei der Berliner Fassung jedoch Abweichungen zwischen der Unterzeichnung und dem endgültigen Bildnis, welche in der Madrider Fassung nicht zu finden sind. Daraus folgt, dass Letzteres die Kopie des Berliner Bildnisses sein muss. Auch die Malweise unterscheidet die beiden Bildnisse. Im Berliner Bild wurde mit dem Pinselstiel gekratzt, in der Madrider Fassung nicht. Diese scheint auch in anderen Details dem Berliner Porträt unterlegen zu sein, was durch Röntgenaufnahmen noch unterstützt wird. Die Dendrochronologie legt zudem die Entstehung ab den 1440er-Jahren nahe. Allerdings kann eine Solche beim Berliner Bildnis nicht vorgenommen werden, wodurch ein Vergleich erschwert wird10.
Ein ebenso unklarer Punkt ist auch der Künstler selbst, was durch das Auftauchen des zweiten Bildnisses noch verkompliziert wurde.11 Die Analyse der Maltechnik brachte den Meister von Flémalle als den Maler der Madrider und Rogier als den Maler der Berliner Fassung hervor, jedoch erreicht das Porträt nicht die gleiche "organische Verschmelzung der Details"12 wie vergleichbare Arbeiten Rogiers.
Nun liegt der Gedanke nicht weit, dass Robert Campin das Original in Berlin anfertigte und sein Schüler Rogier van der Weyden eine Kopie, allerdings ist dies auch nur eine nicht wirklich zu beweisende Theorie.

 Literatur:
1Siehe: Belting, Hans; Kruste, Christiane: Die Erfindung des Gemäldes. Das erste Jahrhundert der niederländischen Malerei, München 1994, S. 173.
3Siehe: Thürlemann, Felix: Robert Campin. Eine Monografie mit Werkkatalog, München u.a. 2002, S. 77.
4Siehe: Châtelet, Albert: Robert Campin. Le Maître de Flémalle. La fascination du quotidien, Anvers 1996, S. 301.
5Jaques le Bocq, Robert de Masmines, Zeichnung auf Papier. In: Recueil d'Arras.
6Mino da Fiesole, Bildnisbüste des Niccolò Strozzi, 1454. Berlin, Staatliche Museen, Skulpturensammlung.
7Siehe: Aust. -Kat.: Der Meister von Flémalle und Roger van der Weyden. Kemperdick, Stephan; Sander, Jochen (Hg.). Frankfurt am Main u.A. 2008, S. 266.
8Siehe: Kemperdick/Sander, S. 266.
9Im folgenden Abschnitt beziehe ich mich auf: Kemperdick/Sander, S. 269f.
10Siehe:Kemperdick/Sander,  S. 268.
11Im folgenden Absatz beziehe ich mich auf: Kemperdick/ Sander 2008, S. 266 – 270.

12Kemperdick/ Sander 2008, S. 268.

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